Radierung: eine frage der perspektive
eine frage der perspektive | 10 x 15 cm | Radierung 5/6 | 2026 | 100 €

Eine Frage der Perspektive

Wollt Ihr mit mir dieses Bild befragen? Mitdenken, was mich als Künstlerin so beschäftigt.

Richtige Radierung?

Dieses Werk ist eine Radierung, eine richtige Radierung auf der Basis einer Kupferplatte, bearbeitet in mehreren Schritten mit Strichätzung und Kaltnadel. „Richtig“ habe ich deshalb hervorgehoben, weil meine bisherigen Radierplatten immer experimentell waren und aus Plastik oder beschichtetem Karton bestanden. Bleibe ich dabei, weil Upcycling mein Prinzip ist? Oder vertiefe ich mich auch in Kupfer, weil dieses seit Jahrhunderten genutzte Material deutlich mehr Feinheiten und Tiefe erlaubt?
Weil man hiermit auch Auflagen drucken kann, also mehrere gleiche Drucke? Mit Kunststoffabfall geht das nicht, das Material ist zu weich und verändert sich mit jedem Druckvorgang.

Papier mit Macken?

Das Papier ist selbst hergestellt – aus geschreddertem Büro-Altpapier. Dieses Papier hat Macken – oder sprechen wir von Charakter? Traditionell wird in der Druckkunst großer Wert auf hochwertiges, schönes Papier gelegt. Einer Ausstellungsjury brauche ich mit diesem Papier nicht zu kommen. Oder muss ich mich „nur“ weiter in die Papiermacherei vertiefen und dann wird das schon … vielleicht? Aber will ich das überhaupt, Zeit in dieses perfekt-Schöne investieren?

Wirklich Landschaft?

Und dann das Motiv: Erst war da nur der Hintergrund, dieses perspektivische Muster, das man jetzt – vor allem ganz hinten – auch als Landschaft deuten kann. Landschaft … 25 Jahre lang habe ich Landschaften gezeichnet und gemalt. Seit über 10 Jahren mache ich überhaupt keine Landschaften mehr. Soll ich sie wieder hineinschleichen lassen in mein Werk?

Über den Kopf nachdenken?

Zum Hintergrund kam dann eine Form, die sich wie von selbst als Kopf entpuppte und in mehreren Bearbeitungschritten auch noch Hals und Schultern bekam. Was macht der Kopf mit dieser „Landschaft“, also dem perspektivisch verzerrten Muster? Alles nur eine Frage der Perspektive? Oder muss ich das weiter durchdenken, festlegen, einen Sinn hineinlegen?

Ohne Striche?

Und dann wieder diese Striche. Meine Striche – sehr impulsiv gesetzt in Kaltnadeltechnik. Im Entstehungsprozess waren sie tatsächlich der letzte Schritt und erst danach war ich zufrieden. Geht’s auch mal ohne Striche?
Interessanterweise habe ich schon zu meinen Landschafts-Mal-Zeiten gerne Motive mit senkrechten Strichen ausgesucht, ohne dass mir das damals bewusst war: Buhnen an der Nordsee, Alleen, Baumstämme im Herbstwald, Weidezäune, Lattenzäune. Es waren immer Strukturen, die Halt geben – ob das meine Bilder brauchen? Oder ich?

P.S.: Die Druckplatte bleibt jetzt erst mal so und ich werde experimentieren, was sie macht, wenn ich mit selbst angeriebener Ölfarbe drucke …